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Auf der ‚Tour de Crêpe‘

Auch wenn in der Bretagne keine offizielle ‚Pfannkuchen Straße‘ existiert, gibt es das Nationalgericht an jeder Ecke. Eine Radtour von Morlaix nach Brignogan-Plage, Lanilis, Le Conquet und Landerneau – auf den Spuren von Crêpe und Galette.

Morlaix, acht Uhr

Der Duft von frischgebackenem Teig zieht durchs La Maison d'Henriette. Francoise Peron, die das Chambres d'hôtes führt, serviert ihren Gästen die hauchdünnen Küchlein zum Frühstück. „Wenn ich nur ein paar Crêpes mache, backe ich sie in der Pfanne aus“, gibt die Bretonin zu. Denn eigentlich werden die Fladen aus Weizenmehl auf einem billig oder bilig, gemacht – einer gusseisernen Pfanne. Kritisch sei der Moment des Wendens, weiß Francoise aus Erfahrung, denn bis ihre vier Söhne statt sind, dreht sie viele Crêpes.

Gut gestärkt geht es auf die Räder und vorbei am Wahrzeichen Morlaix, dem Eisenbahnviadukt, das angeblich durch die Einflussnahme von Kaiser Napoleon III. realisiert wurde. Die Boote, die gestern noch im Fluss schwammen, liegen auf dem Trockenen. In Goulven treffen wir auf den Esel Leonhard, der mit seinem Besitzer entlang der weitläufigen Bucht spaziert. Die Sonne steht hoch am Himmel. Zeit für eine Pause. Hungrig geht es in die nächste Patisserie, wo es nicht nur die süßen Crêpes, sondern auch die salzige Variante – die Galettes gibt. Die dunklen Pfannkuchen bestehe aus Buchweizenmehl, dem blé noir, das nur mit Wasser und etwas Salz gemischt wird. Aus der Not heraus wurden die Pfannkuchen geboren – als Brotersatz, entstanden aus den Resten der Buchweizensuppe.

Entlang der Küste und gegen den Wind

Entlang der Küste, mit Blick auf das Watt, radelt es sich angenehm durch den Nachmittag. Einziger Wehmutstropfen: der Wind kommt immer von vorne. Brignon-Plage ist das heutige Ziel. An der malerischen Bucht des ehemaligen Fischerortes liegt das Au P’tit Nice, ein Restaurant mit Crêperie. Dort steht auch die Galette Bretonne - mit Jakobsmuscheln – auf der Karte. Die jüngeren Gäste entscheiden sich für eine Galette-Saucisse. Im rechteckig eingeklappten Teig steckt eine Wurst – Hot Dog auf Französisch.

Brignon-Plage, halb neun

Heute steht Nolwenn am Herd in der Outdoor Küche des Hôte Antique, das Luc Le Roux leitet. Auch sie erklärt, dass sie ihre Galettes, die es zum Frühstück mit Schinken, Käse, Ei und Tomaten gibt, der Einfachheit halber in vier kleinen Pfannen zubereitet. Durch einen geübten Schwung mit der Pfanne dreht sich der Fladen wie von selbst. Gegenüber der Unterkunft befindet sich das Muschelmuseum ‚Musée des coquillages‘ – es bleibt links liegen. Denn die Strände im Département Finistère sind voller Muscheln. Hier im westlichsten Verwaltungsbezirk Frankreichs versinkt Europa im Meer.

Die Cote des Legendes

Der erste Teil der heutigen Strecke verläuft entlang der Côte des Lègendes, auch Côte des Abers genannt, wo schroffe Klippen ins Meer abfallen, weißer Sand zwischen Felsen hervorblitzt und sich Buchten und Fjorde – einer Perlenkette gleich – aneinanderreihen. Von Pointe de Neiz Vran sieht man in der Ferne den Leuchtturm Phare de l’Île Vierge. Das historische Monument ist für Besucher geöffnet. Die Tragweite des Lichts beträgt 27 Seemeilen, ungefähr 52 Kilometer. Über 50 Leuchttürme gibt es in der Bretagne an der Straße der Leuchttürme. Sandige Pfade winden sich vor den Radlern die Dünen hoch.

Crêpes zum Empfang

Die Wolken schieben sich vor die Sonne und die Pause in Guissény fällt bei leichtem Regen kurz aus - ohne die dünnen Pfannkuchen. Es regnet noch als das Les chambres de Kerasquer bei Lanilis in Sicht kommt. Zum heißen Tee bietet Françoise Simon natürlich auch ein paar Crêpes an, die appetitlich unter einer Glashaube liegen. „Ein bretonischer Brauch ist es, dass die Braut am Hochzeitstag eine Crêpe zubereitet“, erklärt sie. „Gelingt das Wenden, steht die Ehe unter einem guten Stern.“

Lanilis, acht Uhr

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Eiern, Käse, selbstgemachten Flan und knusprigem Baguette ist heute ein Museumsbesuch geplant. Den Blick nach vorne gerichtet, geht es auf schnellstem Weg nach Plougonvelin ins Musèe Mèmoires.

Fast an der Spitze Saint Mathieu steht der alte deutsche Kommandobunker, Teil des Atlantikwalls, der 2685 Kilometer langen Verteidigungslinie entlang der Küsten des Atlantiks, Ärmelkanals und der Nordsee. Eine Treppe führt ins Innere. ‚Fünf Minuten vor der Zeit, ist des Soldaten Pünktlichkeit‘ steht an der Wand geschrieben. Die Szenen mit den Gesprächen der deutschen Soldaten über die endlos langen Nächte im Schützengraben, verursachen Gänsehaut. Es kommen Männer, Frauen und Kinder zu Wort, die die Besetzung durch die Deutschen, der Boche, ertragen oder die gegen sie aufbegehrten und sich mittels Brieftauben mit den englischen Nachbarn austauschten. In einem Raum wird ein Luftangriff inszeniert: Die spärliche Beleuchtung flackert und erlischt, neben dem Lärm der Flugzeuge sind die Einschläge der Bomben zu hören, die Schreie der Zivilisten gehen im Getöse unter. Dann wird es still, Zurück in der Wirklichkeit zieht es einen ans Tageslicht. Vom Dach des Bunkers erstreckt sich der freie Blick bis zur Bucht von Brest, von der Halbinsel Crozon bis zur Insel Ouessant. Hier oben lässt auch das beklemmende Gefühl langsam nach.

Le Conquet, zehn Uhr

Es geht wieder in den Sattel. Die kleine Hafenstadt, die als der ‚Hafen am Ende der Welt‘ bezeichnet wird, ist bald passiert. Von Plouzanè wird bis Brest durchgeradelt. In der zweitgrößten Stadt der Bretagne dominieren die Bauten aus den 50er und 60er Jahren. Denn im Zweiten Weltkrieg wurde die strategische Hafenstadt fast komplett zerstört. In Landerneau angekommen, beweist sich wieder einmal: montags haben die meisten Restaurants in Frankreich Ruhetag, das scheint auch für die Crêperie zu gelten. Hungrig geht es ins Bett.

Landernaeu, kurz nach neun

Die letzte Etappe führt zurück nach Morlaix, wo im La Maison d'Henriette das Auto wartet. Die Strecke führt weg von der Küste und auf Feldwegen geht es an Kühen, Pferden und unzähligen Reihen von Maispflanzen vorbei. Neben Tourismus und Fischerei, ist die Landwirtschaft einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in der Bretagne, führende Region sowohl in der Erzeugung von Schweinefleisch, Geflügel, Eiern und Milch als auch im Gemüseanbau.

Durchs Land

Heute gibt es keine spektakulären Ausblicke aufs Meer oder das, was von ihm gerade zu sehen ist. Dafür kommen Crêpes, gefüllt mit Karamell aus gesalzener Butter auf den Mittagstisch. Von weitem ist die Eisenbahnbrücke von Morlaix zu sehen und die letzte Etappe damit fast zu Ende. Im Haus von Francoise empfängt die Radler noch einmal der Duft von frischgebacken Pfannkuchen – die letzten für diesen Urlaub, aber bestimmt nicht für immer.

Mehr Info

Rezept - Gemüse-Gallette

  • Teig: 200gr Buchweizenmehl, 120gr Weizenmehl,120ml Milch, 350ml Wasser,1 Ei, Salz,
  • Füllung: 200ml Milch, 80gr Butter, 1 Eßl Mehl, 200ml Gemüsebrühe, Pfeffer, frisch ger. Muskantnuss, 150gr Spinat, 4 Schalotten, 400gr Champignons, 2 Eßl Sonnenblumenöl, 300gr Zucchini, 50gr Butterschmalz
  • Zubereitung: Mehl mit einem ½ TL Salz in einer Schüssel mischen, Ei dazugeben und nach und nach 120ml Milch und 350ml Wasser. Rund zehn Minuten quellen lassen. Währenddessen 1 Eßl Butter in einem Topf schmelzen. 1 Eßl Mehl einrühren und anschwitzen lassen, Brühe mit 200ml Milch zugießen und aufkochen lassen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Spinat waschen, trocken schütteln. Schalotten schälen und in Spalten schneiden. Champignons säubern, putzen und halbieren. Öl in einer Pfanne erhitzen und Pilze und Schalotten darin braten. Dann Zucchini dazugeben und mit Salz und Pfeffer würzen.
  • Ausbacken: 1 TL Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen und einen Schöpfer Teig dazugeben und dünn verteilen. Sobald der Teig gestockt ist, mit etwas flüssiger Butter bestreichen, wenden und von der anderen Seite goldbraun backen. Dabei auch die zweite Seite mit etwas Butter bestreichen. Die fertigen Galettes nacheinander in 2 Pfannen erhitzen. Galettes mit ca. 1/8 Béchamel Soße und vorbereitetem Gemüse belegen. 4 Seiten der Galettes über die Füllung klappen. Guten Appetit!

 

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